Gott


„Wer die Welt sieht und Gott nicht erkennt, ist blind.“

… dieser Satz fiel mir irgendwann unterwegs einmal in die Arme, als ich so beharrlich versucht habe, zu verstehen, was wohl Licht eigentlich sein könnte, wie es möglich ist, dass ich sehe, mit oder trotz dieser seltsamen Neuronen in meinem Kopf. Mit unserem Paradox im (Hinter)kopf, könnte man ihn also einmal so ganz wörtlich verstehen …

Warum?

Weil das Sehen selbst, weil unsere Wahrnehmungen insgesamt als Basis unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnisse gerade nicht naturwissenschaftlich beobachtend mechanistisch erklärbar sind.

In einer naturwissenschaftlich gedachten Welt, in der Naturgesetze den Stein fallen lassen und Neuronen feuern, braucht es keine Wahrnehmungen; wir könnten alle wie Roboter funktionieren: Signale hinein, ein bisschen Gefeuere – ganz genauso wie das Geklicke im Roboter, Bewegungen hinaus.

Dass dazwischen noch eine ganze Menge mehr ist, weiß jeder und jede nur von sich selbst. Aber dieses Innere lässt sich von außen nicht beobachten. Jeder weiß es nur von sich. Damit entzieht es sich der beobachtenden Methode und lässt sich auch nicht als „Erste-Person-Perspektive“ unter das Mikroskop legen. Die „Erste-Person“ sieht immer durch das Mikroskop.

So hat uns also unser Paradox auf etwas gestoßen, dass gewisser Maßen jenseits liegt: Jenseits unserer Beobachtungen liegt dieser absolut erstaunliche Umstand, dass wir beobachten. Absolut überflüssig in einer Welt, deren Abläufe vollständig naturgesetzmäßig automatisch zu funktionieren scheinen.

Mehr noch, wir sind ja auch nicht das, was wir sehen: Ich bin nicht der Baum, den ich sehe, ich sehe diesen Baum. Ich sehe etwas, das eine Ausgabe meines Gehirn ist. Aber ich bin nicht diese Ausgabe. Man könnte sagen, ich bin das, was auf diese Ausgaben meines Gehirns Zugriff hat. Als Sein haben wir es genauer betrachtet. Man könnte hier vielleicht auch gut Seele sagen …

Seele

Und wenn wir Seele sagen und damit in Form der nicht naturwissenschaftlich ergründbaren Beobachtungen eine gewisser Maßen andere Dimension eröffnet haben, dann drängt sie sich noch deutlicher auf, diese Frage: Was meinen wir eigentlich, wenn wir sagen Gott?

Gott

Atheisten wissen sofort, dass es „das“ nicht gibt. Gut, aber sie wissen auch sofort, was es nicht gibt: Etwas sehr Großes, Mächtiges, Gütiges, das diese Welt wunderbar prima ordnen sollte, auf dass es kein Leid, keinen Hunger und Durst, keine Schmerzen, keinen Tod, keine Ungerechtigkeiten gäbe, auf dieser Welt.
Ok, damit hätte man also sofort ein Paradies im Auge.

Und da diese Welt ganz offenbar kein Paradies ist, gibt es also Gott nicht …

Meistens geht diese atheistische Position, der ich selbst auch wirklich lange angehangen bin, davon aus, dass man selbst selbstverständlich ein unendlich guter Mensch ist. Und das eigentlich auch alle Menschen wirklich substantiell gut sind und es immer nur ungünstige Umstände sind (für die natürlich der nicht existierende Gott verantwortlich ist), die Menschen straucheln lassen.

Das Dopamin, das Dopamin … und die liebe Gier, das Nie-Genug …

Wenn wir uns einmal so ganz entspannt umsehen auf dieser Welt, könnte man die These – so ganz ohne Gott – auch einmal anders formulieren:

Wenn der Mensch wirklich fundamental, substantiell gut wäre, täte es dann nicht anders aussehen, auf dieser Welt?

Nun ist es natürlich vergleichsweise leicht auf die „bösen“ Anderen zu schauen. Viel schwieriger ist der Blick in den Spiegel. 😱

Viel schwieriger ist es vielleicht, statt die Ungerechtigkeiten der Anderen zu beklagen, selbst die Ärmel hochzukrempeln und zu schauen, was sich vielleicht auch nur im ganz Kleinen verbessern ließe. 😱😱

Viel schwieriger als die Gier der Anderen zu beklagen, ist es vielleicht auch, die eigene Gier überhaupt zu erfassen … 😱😱😱

Viel schwieriger als das Jammern über all das, was einem fehlt, ist es vielleicht zu erkennen, wie gut es einem doch geht …

Viele sehr alte Texte lassen sich nun ganz neu lesen. Mit dem Ausdruck „verborgene Wirklichkeit“ konnte ich nun, nach dem Weg durchs Paradox, ganz neu etwas anfangen. Auch „Seht ihr Blinden, hört ihr Tauben“ versteht sich für mich nun plötzlich ganz neu.

Unglaubliche Schätze tun sich auf, Schätze, die alles andere als unvernünftig sind. Schätze, die ich sehr gern mit euch teilen würde.

  • Religion und philosophischer Selbstmord 😱 ?
  • Wer gleich sich bleibt …
  • Splitter und Balken in den Augen ?
  • Seht ihr denn nicht?

Ich freu mich auf euch!