Welt



Du, die Welt und ein paar Neuronen

Im Prinzip geht es in hier nur um eine einzige Frage. Eine Frage, die nur du, lieber Webseiten-Besucher, beantworten kannst. Aber damit sich diese Frage stellen kann, müssen wir zunächst ein ganz klein wenig über Neuronen plaudern.

Was sind [tooltip tip=“Ein bisschen sehen sie so ähnlich aus, wie die Stofftier-Neuronen aus dem Titelbild. Ohne Augen natürlich.“]Neuronen[/tooltip] eigentlich?

Zellen, eigentlich einfach Zellen, wie die Zellen der Haut zum Beispiel. Der ganze Körper eines Menschen besteht ja aus Zellen, auch die Haut; aber Hautzellen haben den Vorteil, dass man sie direkt sehen und spüren kann. Das ist hilfreich für eine Vorstellung, finde ich, denn die Zellen in unseren Köpfen können wir ja leider nicht selbst sehen. Auch das Gehirn besteht also aus solchen Zellen, mit einem kleinen Unterschied: Die Zellen im Gehirn haben zusätzlich Verästelungen, „Leitungen“, über die sie miteinander verbunden sind und gewisse Stoffe, ähnlich wie Flüssigkeiten vielleicht, miteinander austauschen.

Diese „Flüssigkeiten“ oder Stoffe, die die Neuronen austauschen, wurden [tooltip tip=“von griech. neura: Sehne, Schnur, Nerv und lat. transmittere – übertragen „]Neurotranmitter[/tooltip]  getauft, und es gibt viele verschiedene dieser auch sogenannten Botenstoffe im Gehirn, die von verschiedenen der etwa [tooltip tip=“Pinel, J. P., 2001. Biopsychologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg Berlin London; S. 79“]100 Milliarden[/tooltip] Neuronen, aus denen unser Gehirn so zu bestehen scheint, erzeugt werden.


Die Neuronen schütten Neurotransmitter aus, wenn sie von anderen Neuronen, mit denen sie verbunden sind (siehe Abbildung oben, sie stellt gewisser Maßen einen „neuronalen Zustand“ dar) eine hinreichende Menge an „Eingangssignalen“ oder „Input“ erhalten haben; das heißt, andere Neuronen haben Botenstoffe ausgeschüttet, diese haben an ein Neuron angedockt und es damit „angeregt“. Dann bastelt es selbst seinen Botenstoff zusammen und schickt ihn über die lange Leitung weiter an andere Neuronen. So geht es also rund, durchs Gehirn, von einem Neuron zu vielen anderen, ein fortwährendes neuronales Feuerwerk in unseren Köpfen. Heißt es jedenfalls.

Es gibt viele verschiedene Neuronen in vielen verschiedenen Formen und mit vielen verschiedenen Botenstoffen, die sie [tooltip tip=“von griech. synthesis – zusammenbauen; also eben zusammenbasteln“]synthetisieren[/tooltip] und weiter verteilen. Neuronen mit einer „langen Leitung“ (ähnlich wie bei den „Stofftieren“ oben) sind klassisch für Neuronen der sogenannten „Großhirnrinde“, dem [tooltip tip=“(Am besten zu sehen in (a) auf der Abbildung unten)“]Cortex[/tooltip], der für all unsere „intelligenten“ Fähigkeiten verantwortlich gemacht wird .  Diese Neuronen  werden auch Pyramidenzellen genannt, die „lange Leitung“ auch „Axon“; sie ist mit einer weißen Hülle umgeben, der Myelinhülle, die der Isolierung dient, wirklich ganz ähnlich wie die Isolierung elektrischer Leitungen.

Ich will dich, liebe Webseiten-Besucherin, hier nicht ewig mit technischen Details langweilen, die man auf vielen Seiten und in vielen sehr [tooltip tip=“z.B. Kolb, B., Wishaw, I. Q., 2002. An introduction to brain and behavior. Worth Publishers“]dicken Büchern[/tooltip] überall finden kann, aber ein wenig benötigen wir einfach eine Vorstellung davon, was – nach der Vorstellung moderner Wissenschaften – in unserem Kopf so herum wuselt. Also ein wenig noch, lieber Surfer aus den Weiten der virtuellen Welt, der du zufällig auf diesen Seiten hier gelandet bist. Ich danke dir für deine Geduld und denke natürlich, dass es sich lohnen wird.


Eine wirklich sehr lange Leitung haben auch ganz besondere Arten von Neuronen, die in unserem Stammhirn sitzen, also dem vermutlich ältesten Teil unseres Gehirns. Die Neuronen in diesem Teil des Gehirns verteilen ihre Botenstoffe über weite Teile der Großhirnrinde und die Botenstoffe, die sie ausschütten sind vielen geläufig: Serotonin und Dopamin zum Beispiel, unsere internen „Wohlfühldrogen“. Ganz besonders Dopamin scheint für uns eine zentrale Rolle zu spielen, unser sogenanntes „Belohungssystem“: Da gab es bereits 1997 einen sehr spannenden Artikel von Wolfram Schultz, der untersuchte, wann die Dopamin-Neuronen genau herum feuern und ihr Dopamin über den Rest vom Gehirn verteilen. Das Ergebnis ist etwas, dass jeder sofort an sich selbst bestätigen kann: Immer dann, wenn etwas besser ist, als wir es erwarten, gibt es offenbar eine saftige Dopamin-Dusche, und wenn etwas schlechter ist, als erwartet, dann halten sie offenbar, unsere Dopamin-Neuronen: Ebbe. Und wenn etwas genauso ist, wie wir es erwarten, dann feuern sie offenbar gänzlich unbeeindruckt weiter.

Besser, höher, schneller, weiter: Das Motto unserer Zeit…. Fest verdrahtet in unseren Gehirnen? Darauf kommen wir sicher noch einmal zurück. Auf dieses Motto. Und uns. Aber zunächst waren wir auf dem Weg zu einer sehr entscheidenden Frage; behalten wir also das Dopamin etwas im Hinterkopf und schauen uns ein Gehirn insgesamt vielleicht einmal plastisch an; auf folgender Abbildung sind kleine Einblicke in ein (Modell-) Gehirn gewinnbar:

(a) Großhirnrinde/Cortex (beige, gefurcht), Kleinhirn (braun, unten). Direkt über dem Kleinhirn auf der Großhirnrinde liegt der sogenannte ‚visuelle Cortex‘, dessen Neuronenarbeit unser Sehen ermöglicht. (b) ‚Lebensbaum‘ des Kleinhirns; dieser dicke weiße Balken in der Mitte vom ‚Beige‘, das ist die Verbindung zwischen den zwei Gehirnhälften; unterhalb vom Balken und rechts vom ‚Lebensbaum‘ kann man schön das den Hirnstamm erkennen. (c) Klappt man eine Hirnhälfte noch einmal auseinander, so kann man noch ein Stückchen weiter hineinsehen: Ventrikel (die Kuhle) und Basalganglien (der Hügel auf der anderen Seite) – und damit sind wir u.a. auch schon beim Stammhirn und dem Dopmain.
Beige auf dem Bild (eigentlich sonst eher grau) sind die Zellkörper der Neuronen, weiß sind die Axone.
So etwas in der Art sitzt also in unseren Köpfen. Natürlich nicht aus Plastik; aber trotzdem ein eigenartiges Gefühl, so ein Gehirn so zu befühlen …

Vom Gehirn zurück zu den Neuronen fehlen uns nun nur noch unsere Schnittstellen zur Welt – auch an bzw in diesen, den Augen und Ohren zum Beispiel, arbeiten Neuronen: In der Netzhaut „wandeln“ sie Lichtstrahlen in neuronales Feuerwerk um, im Ohr sitzen sogenannte „Haarzellen“, die Luftdruck-Schwankungen  in ein Neuronenfeuerwerk umwandeln. Auch die Kontraktion der Muskeln wird von Neuronen bewerkstelligt, die diese in Bewegung setzen, so dass wir sprechen, laufen, gehen etc. können.   Die Neuronen, die Muskeln in Bewegung setzen können, werden „Motoneuronen“ oder „motorische Neuronen“ genannt. Sie arbeiten genauso wie alle anderen Neuronen auch: Wenn sie über ihre Eingangsleitungen genügend Input, also Botenstoffe, von anderen Neuronen bekommen haben, bauen sie selbst eine Spannung auf, und regen die Muskeln, zu denen sie Kontakt haben, direkt über diese Spannung oder über den ausgeschütteten Botenstoff zur Kontraktion an.

Faszinierend, nicht wahr?


Da haben wir also ein fantastisches, scheinbar vollständig geschlossenes Feuerwerk im Kopf: Von den Lichtstrahlen auf deine Retina durch die Weiten des Gehirns bis zu den Neuronen, die die Muskeln in deinen Fingern antreiben und sie zum scrollen auf dieser Seite bewegen, liebe virtuelle Besucherin.

Damit, lieber virtueller Besucher, sind wir nun bei der alles entscheidenden Frage …


Wo ist dieser Baum?

Na hier, auf dieser Webseite, wirst du vielleicht sagen … 🤔

Gut, irgendwie ist er schon hier, vielleicht, aber warum kannst du ihn sehen? Wie ist das möglich?

Lichtstrahlen treffen auf deine Retina. Auf deiner Retina steht das Bild von diesem Baum mal auf dem Kopf – das siehst du also sicher nicht direkt. Und von der Retina geht es rein neuronal weiter zum „visuellen Cortex“, ohne den bzw ohne die Arbeit der Neuronen, die in diesem Teil vom Cortex liegen, man einmal gar nichts sieht.

Also: An deiner Retina beginnt das neuronale Feuerwerk: Von einem Neuron zum nächsten, hui und schwups und blitz durch dein Gehirn, immer weiter und immer weiter, bis zu den Motorneuronen, die deine Finger antreiben, dich jetzt, in diesem Augenblick, vielleicht am Kopf zu kratzen, oder zu den Motorneuronen in deinem Nacken, die jetzt deinen Kopf wackeln lassen, hin und her, schüttel, schüttel: Und dich vielleicht denken lassen: Was ist denn das für eine Frage?

Da ist er doch – der Baum! Direkt vor mir auf dem Bildschirm.

Schon klar. Vielleicht. Aber wie ist es möglich, dass du ihn siehst?

Was bedeutet Sehen?

Nur Neuronen in deinem Kopf,  grau und eintönig  feuern sie vor sich hin, das Licht versank in deiner Retina und kommt nicht wieder heraus….


Wo ist dieser Baum?
WO ist das Bild von diesem Baum, das du siehst?
Was ist SEHEN?

Wie ist es möglich, dass wir sehen, mit nichts weiter als diesem merkwürdigen neuronalen Feuerwerk in unseren Köpfen?


🤔 …

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“
Imannuel Kant
.

Natürlich sind wir hier an einem Punkt, an dem Philosophie eigentlich erst beginnt, an einem Punkt, an dem wir fragen müssen, wie eigentlich das Verhältnis ist, zwischen uns und der Welt, mit diesem seltsamen Gehirn scheinbar irgendwie dazwischen, zwischen uns und der Welt …

bzw. konkret neuronal gedacht:


Ohne Neuronenarbeit kein Bild, kein Ton, kein Geruch, kein Geschmack, keine Berührung, die bis zu uns durchdringt.

Wie können wir das verstehen, wie können wir uns das denken?

🤔 …

Subjekt und Objekt  scheinen sich hier , an diesem Punkt, mitten im Gehirn gleichsam zu treffen …

🤔 …

Wenn wir andere Menschen beobachten, scheint alles ganz klar und einfach: Lichtstrahlen treffen auf ihre Retina, werden zum neuronalen Feuerwerk, pflanzen sich durchs Gehirn fort bis zu den Motorneuronen, die die Muskeln in den Mundwinkeln des beobachteten Objekts antreiben, so dass Luftströme moduliert werden, die wir, die Beobachter, vielleicht als Sprache interpretieren können.

Indem wir ein Subjekt beobachten, wird es für uns zum Objekt. Und in dieser Kette von Beobachtungen gibt es gar kein Problem mit einem paradoxen Gehirn: Das beobachtete Objekt kann vollautomatisch funktionieren: Eine Kette rein materieller, naturwissenschaftlich gedachter Abläufe, die keinem Naturgesetz widersprechen, eine Kette von Abläufen, ganz ähnlich sogar wie bei einem Computer oder Roboter vielleicht.

Wie können wir sicher sein, dass das von uns beobachtete Objekt wirklich tatsächlich ein Mensch ist und kein Roboter?

🤔 …

Eigentlich gar nicht, nicht mit letzter Gewissheit. Wir können es schließen, vermuten, basierend auf seinem Verhalten, das wir beobachten, und basierend auf unseren eigenen Erfahrungen. Aber tatsächlich wissen können wir es nicht; wir können in niemanden hineinschauen, jedenfalls nicht in dieser Hinsicht … sondern nur in der Hinsicht, in der Mediziner in Menschen hineinschauen und sie nicht finden, die Seele ….

Was ein Mensch, den wir beobachten, sieht, hört, riecht, fühlt, denkt können wir nicht beobachten, wir können es höchsten schlußfolgern, aus dem, was wir selbst sehen, hören, riechen, fühlen, denken – aber sicher wissen, tatsächlich direkt beobachten, können wir es nicht.

 🤔 …

Gut, also wenn wir andere Menschen beobachten,  genau so, wie das Naturwissenschaften tun, gibt es kein paradoxes Problem mit dem Gehirn. Zum paradoxen Problem wird die Sache mit dem Gehirn erst, wenn wir aufhören, andere zu beobachten, und uns einmal kurz fragen, wie es denn bei uns selbst ist; dann erst, dann taucht sie auf, die große Frage: Der Lichtstrahl verschwindet im Neuronenfeuer und kommt nicht wieder heraus!

Oder doch?

Das genau sollten wir uns wirklich genauer ansehen und! selbst ausprobieren. Wir könnten dann auch darüber reden, warum wir hier, mit dieser Frage, bei einem zentralen Problem der Wissenschaften überhaupt gelandet sind: Naturwissenschaften beobachten, Geisteswissenschaften hingegen wissen vom Sein. Doch leider trennt die beiden Bereiche ein scheinbar unüberwindbarer Abgrund. Wo das Gehirn sie doch eigentlich so nett zu verbinden scheint 😊

Und wenn man mit diesem Bild vor Augen, mit dieser Erkenntnis, dass das Gehirn an allen unseren Wahrnehmungen und Beobachtungen beteiligt ist, ein wenig neu auf z.B. die großen Fragen der Physik schaut, dann, ja dann kann einem die Welt ein wenig durch die Finger purzeln: Die Physik kann uns nicht sagen, was Licht eigentlich ist, kann uns nicht sagen, was Materie eigentlich ist. Materie und Licht versinken im quanteligen Nichts …

Wir werden nachsehen und vielleicht einige Schätze der Philosophie ganz neu entdecken …

  • Ideenreiche … 💡…?
  • Dinge an sich sind uns nicht zugänglich … 🎁
  • Die ganze Welt 🌍 wird vom Gehirn erzeugt … 😱

Ich freu mich auf euch!